13. Juli 2025
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Sommer, Sonne, Sonnenschein oder „Overtourism“?

Sommer, Sonne, Sonnenschein

so lautet wohl der Leitspruch vieler Schüler:innen und Eltern, die bereits sehnsüchtig den Sommerferien entgegenfiebern. Viele haben sicherlich schon vor einiger Zeit ihre Wunsch-Destination akribisch ausgewählt – sei es Spanien, Italien oder ein exotisches Land in weiter Ferne. Doch was in uns Vorfreude auslöst, sorgt an den Urlaubsorten manchmal für das Gegenteil. Der Grund: „Overtourism“.

Am Nachmittag des 1. Juli 2025 empfing das W-Seminar „Stadt der Zukunft“ unter der Leitung von Herrn Dr. Barnikel, gemeinsam mit einigen externen Gästen, hohen Besuch: Prof. Dr. Jürgen Schmude von der Ludwig-Maximilians-Universität München, der sich als Experte für Tourismus und dessen Folgen auszeichnet.

Seit den 1950er-Jahren nimmt das Reisen weltweit stetig zu, parallel zum wachsenden Wohlstand. Aktuell verreisen rund 80 % der deutschen Bevölkerung und Urlaub ist nach Lebensmitteln das wichtigste Konsumgut der Deutschen. Kein Wunder also, dass beliebte Orte wie Venedig mit dem Besucheransturm kaum noch zurechtkommen. Kurz gesagt: Zu viele Menschen am selben Ort zur selben Zeit. Dieses Phänomen ist unter dem Begriff „Overtourism“ bekannt und wird von Prof. Schmude unter dem Konzept der „Tragfähigkeit“ betrachtet.

Wie tragfähig ist eine Innenstadt? Wie belastbar sind Verkehrsmittel? Und vor allem: Wie viel kann die lokale Bevölkerung ertragen? Denn eines sollten wir nie vergessen: Was für den einen Urlaub ist, ist für den anderen Alltag.

Wer bekommt Zugang zu begrenzten Ressourcen wie Wasser? Wie kann man lokale Kultur schützen, damit sie nicht durch Massentourismus zerstört wird? Es sind komplexe Fragen, auf die es keine universelle Antwort gibt. Prof. Dr. Schmude betont: Für jeden Ort braucht es individuelle Lösungen. Konkret könnte das zum Beispiel bedeuten, dass ein Skigebiet nur eine begrenzte Anzahl an Tagespässen verkauft.

Und wer denkt, "Overtourism" sei nur ein Problem des Auslands, liegt falsch: Auch hier in München lassen sich zur Zeit des Oktoberfests oder beim Champions-League-Finale Zonen beobachten, in denen sich zu viele Touristen gleichzeitig aufhalten. Die Folge: Alltägliche Arbeitswege, etwa mit der U-Bahn, werden durch Überfüllung erschwert oder sogar unmöglich gemacht.

Wir danken Prof. Dr. Schmude für seinen informativen und nachdenklich stimmenden Vortrag und hoffen, ihn in den kommenden Jahren erneut am AWG begrüßen zu dürfen. Denn eines ist klar: Die Debatte um "Overtourism" wird in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen.

David Fröschl, Q 12