Und dann kam Corona...

Gleich zu Beginn des Schuljahres ist unser Rom-Austausch in eine neue Runde gegangen: Vom 10. bis zum 17. Oktober besuchten 22 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrkräfte unsere Partner in Ostia, in Roms antikem Hafen-Vorort also direkt an der Tibermündung. Dort wurden wir – wie auch schon bei den Besuchen der vergangenen Jahre – sehr herzlich aufgenommen, wir profitierten von leckerstem Essen, perfektem Badewetter, interessanten Familien-Wochenenden und einem umfangreichen Besichtigungsprogramm. Wir besuchten zum einen das schier endlose Ruinen-Areal des antiken, über Jahrhunderte im Sand versunkenen und neuerdings Stück für Stück wieder ausgegrabenen Ostia, zum anderen und vor allem aber die Ewige Stadt selbst mit ihren Zeugnissen einander ablösender, immer wieder neuer Bauphasen: die ältesten, auf den legendären Hügeln verstreuten Siedlungskerne, das Forum Romanum mit seinen Tempeln und Basiliken, den Palatins-Hügel mit seinen Palastruinen, das Kolosseum, den Campo-de‘-Fiori-Platz – sozusagen Viktualienmarkt –, die Piazza Navona und die Piazza Spagna, dann angefangen mit dem Pantheon alias Santa Maria Rotonda eine ganze Serie von Kirchen und schließlich noch den Vatikan mit seinem Petersdom, seinen Museen und seinen Heerscharen von Touristen … Wir machten intensive Erfahrungen mit der Rushhour in Bus und S-Bahn, und es ging durchaus auch mal jemand verloren – aber nur für kurz.
Neben all dem Sightseeing erlebten wir an zwei Tagen, wie es an einem italienischen Liceo zugeht und wie dort die Standards sind, v. a. aber wurden in der Schule extra für uns zwei hochaktuelle Vorträge organisiert, die großen Eindruck machten: Der Sohn unserer Partnerlehrerin, im Hauptberuf Physikstudent, stellte uns eine von ihm mitgegründete Organisation vor, die sich im Umfeld der katastrophalen Lebensverhältnisse im Nordsudan um Schulbildung, insbesondere auch für Mädchen, kümmert. Und Dieme Cheikh Insa, ursprünglich regimekritischer Anwalt im Senegal, berichtete uns davon, wie er nach seiner Flucht vor politischer Gefangenschaft die komplette Schreckenstour durchzumachen hatte mit dubiosen Schleppern, mit Wüsten-Durchquerung unter wochenlanger Lebensgefahr, mit Erpressung und Folter in lybischen Flüchtlingscamps, waghalsiger Fahrt übers Mittelmeer und schließlich Strandung im römischen Obdachlosenmilieu. Gerade diese Vorträge wurden zu Denkanstößen, die wir weiterführen in Form eines Projektes.

Eine zweite Schwerpunktphase dieses Projektes sollte es dann beim Gegenbesuch unserer Partner Ende März geben. Die Italiener hatten
ihre Flüge gebucht, das Programm für den Besuch in München war festgeklopft, die Münchner Teilnehmer hatten schon die Couch umgeklapptoder gar ein Gästezimmer zurechtgemacht – aber dann kam eben die Pandemie und alles musste erst einmal abgesagt werden. Aber man darf jetzt nicht allzu sehr jammern: Immerhin hat es Rom weit weniger hart erwischt als etwa Bergamo, das ist ja schon mal Glück im Unglück.
Und wenn alles optimal läuft, können wir den Gegenbesuch ja vielleicht im Oktober nachholen .. Drücken wir uns allen dafür ganz doll die Daumen...

Thomas Weiser

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